Wednesday, December 27, 2006

 

Middle Island - Weihnachtstrip

Nachdem ich immer ein bissl konfus schreibe und Lissy das Handwerk des Schreibens nun mal wirklich viel professioneller betreibt, bin ich einfach mal faul und kopier ihre Rundmail:

Hallo ihr Festlandbewohner!

Wie gehts euch allen und wie war die Weihnachtszeit bis jetzt??

Wow, ich bin tatsaechlich zurueck von der Insel, lebe noch, kann auf zwei Beinen gehen und die deutsche Sprache benutzen. Das Einzige, was jetzt noch Zeugnis gibt von meinem urspruenglichen Leben in den letzten 4 Tagen ist wohl meine Braeune, tonnenweise Sand und die 7 verschiedenen Ameisenstaemme, die in meinem Gepaeck eine neue Bleibe gefunden haben.

Der ganze Trip war auch gar nicht so schlimm, wie ich noch befuerchtet hab, als ich (Lissy)am 22. Dezember zu nachtschlafender Zeit nach Rockhampton geflogen bin und dort Danik wieder getroffen habe. Wir haben den 22. Dezember gleich genutzt, noch ein letztes Mal den Annehmlichkeiten der westlichen Zivilisation wie Dusche, Toilette, Strom und Shopping Malls zu froenen, haben Essen, Campingausruestung, Schnorchelzeug, etc, pp. eingekauft wie die Wilden und uns schliesslich am 23. Dezember morgens auf den Weg ins Abenteuer gemacht. Unser Busfahrer hat nicht schlecht gestaunt, als wir in einem halbstuendigen Marathonlauf unsere gesammelten Hamster-Kaeufe aus dem Hostelzimmer in sein kleines Bueschen verladen haben. Am Hafen von Yeppoon, wo der Trip losgehen sollte, hat dann schon unser Boot auf uns gewartet. Nachdem wir uns auf ein kleines Holzkaehnchen eingestellt hatten und schon befuerchtet haben, das Boot wuerde allein unter unseren 50 Litern Trinkwasser untergehen, haben wir erstmal nicht schlecht gestaunt, als vor uns im Hafen ein grosser, weisser Katamaran lag, blitzend und blinkend, mit grossem Deck, einem unerwartet geraeumigen und echt schnuckelig eingerichteten Innenraum und einem schoen fuer die Touristen authentisch in blau-und-weiss-gekleideten Seefahrer-Ehepaar drauf. Auf der kleinen Luxus-Yacht wurden wir zu unserer privaten Insel geschippert, es gab Salzwasser und Wind um die Nase, Kaffee und Kekse, die ueblichen Seefahrerwitzchen und -geschichten von den beiden und fuer mich ne Portion Seekrankheit umsonst. Nach etwa zwei Stunden auf dem Wasser haben wir schliesslich an einem richtig suessen Inselchen angelegt, das wirklich das Paradies war: vier kleine, weisse Sandstraende rund um einen kleinen Berg, getrennt durch Felsenhaufen, mitten im tuerkisblauen Wasser, darauf nichts als Palmen, Duenengras, Steine und Muscheln - und ein kleiner Picknicktisch mit zwei Baenken als einziges Zeichen, dass schonmal Menschen dort waren.
Voellig begeistert haben wir gleich angefangen, das Eiland zu besiedeln, unsere Zelte aufgebaut, unser Essen und unser Lametta als einzigen Beweis fuer die Weihnachtszeit in die Baeume gehaengt, Badesachen angezogen und uns ins Abenteuer, oder besser die Einsamkeit unseres idyllischen Insellebens gestuerzt. Ein bisschen kommt man sich in der ganzen paradiesischen Umgebung schon vor, als wuerde man gerade einen Werbespot fuer Tui abdrehen und wenn man Haendchen haltend ueber den Strand laeuft und dabei die einzigen Fussspuren weit und breit hinterlaesst kann man doch nicht anders, als darauf zu warten, dass mal ein Regisseur hinter einer Palme vorspringt und "Cut!" schreit. Trotzdem haben wir die Zeit echt genossen und in den Morgen- und Abendstunden, die die einzigen Stunden waren, in denen man sich bewegen konnte (mittags sassen wir nur unter unserem einzigen grossen Baum und haben in seinem Schatten auf ein bisschen Schutz vor der bruetenden Hitze gehofft) fleissig alles gemacht, was das Klischee verlangt: Wir sind im Meer geschwommen und rumgeplanscht, sind in unseren ebenso nuetzlichen wie potthaesslichen Stinger Suits, die uns vor boesen Quallenstichen schuetzen sollten, und den nicht viel huebscheren Taucherbrillen und Schnorchelflossen auf die Jagd nach den bunten Nemo-Unterwasser-Welten gegangen. Da gabs echt einiges zu entdecken: Korallen und bunte Fische (und Quallen) in allen Groessen, Farben und Formen, kleine, quirlige blaue und gelbe Fischchen, die uns munter vor den Brillen herumgeschwommen sind, grosse gepunktete, getreifte, gefleckte und karierte Fische, die zwischen den Felsen ein Plaeuschchen gehalten haben, Rochen, die sich einen Spass daraus gemacht haben, sich unter dem Sand zu verstecken und dann ploetzlich rauszukommen, um die Schnorchler zu erschrecken, und und und.
Das Land war natuerlich auch nicht sicher vor uns, wir sind unermuedlich auf den Felsen herumgeklettert, haben dort zwei Adlerhorste entdeckt, haben Austern gegessen, die bei mir Sea-Food-Liebhaber spontan begeisterte Wuergereize ausgeloest haben und natuerlich haben wir uns schoen die Haende und Fuesse an den scharfen Steinen aufgeschnitten.
Sogar eine Kokosnuss haben wir gefunden, die Danik freihaendig von einer Palme gepflueckt hat und die wir ganz authentisch mit Steinen aufgeschlagen und gegessen und getrunken haben! Lecker und richtig schoen kitschig! :o)
Ausserdem hab ich den Strand seiner schoensten Muscheln beraubt (und von denen gibts viele) und lebe seitdem in staendiger Furcht vor den Zollbeamten und wir haben sogar Skelette von Adlern und Possums gefunden. Die waren neben den zahllosen Ameisen und ein paar Schildkroeten die einzigen Tiere, die auf der Insel ihre Heimat haben und waren auch gar nicht so erfreut, dass wir kamen und ihren Hinterhof mit unseren Zelten und Taschen in Beschlag genommen haben. Ein putziges Possum-Paerchen, Eddie und Lina, lebten naemlich genau in dem Baum, der uns als einziger Schattenspender fuer die Zelte diente, und die beiden wurden jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit munter, kamen aus dem Baum gekrabbelt und haben uns Gesellschaft geleistet. Die sind echt suess, mit ihren kleinen Schnaeuzchen und den neugierigen, grossen Augen und so frech! Eddie hatte keine Hemmungen, sich zwischen uns auf die Bank zu setzen, immer wieder zu versuchen, uns das Essen unter der Gabel vom Teller wegzuklauen und uns dann als Dankeschoen das verdaute Essen auf dem Tisch zurueck zu lassen. Vor allem unsere Muellsaecke hatten es dem Tierchen angetan: Am ersten Abend haben wir die noch ganz arglos und naiv auf dem Boden stehen gelassen, promt ist Eddie nachts hinmarschiert und hat unseren ganzen Muell mit seinen scharfen Zaehnen und Krallen erkundet und ueber den kompletten Platz verteilt. Am zweiten Abend waren wir schon klueger, haben den Muellsack in den Baum gehaengt. Doch so einfach laesst sich ein Possum nicht austricksen, Eddie hat eben seine Problemloesekompetenz genutzt, ein Loch unten in den Sack gemacht, so dass sein kompletter Inhalt auf den Boden gekullert ist, und schon konnte der Frechdachs wieder alles schoen auf dem Platz ausbreiten. Am dritten Abend dachten wir, vielleicht mag Eddie einfach keinen Muell in seinem Zuhause haengen haben. Das wurde uns ja auch nicht gefallen, wenn da immer so ein Sack Abfaelle vor dem Badezimmerfenster herumbaumelt. Also haben wir den Sack mit einem extra festen Knoten in einen anderen, unbewohnten Baum gehaengt - das hat unser kleines Haustier aber nicht davon abgehalten, unsere Abfaelle auch da runter zu holen und - wer haette es gedacht - ueber die halbe Insel zu verschleppen. Am vierten Tag schliesslich hatten wir keine Lust mehr auf morgendliche Muellsammel-Rundgaenge und haben die Saecke an einer langen Schnur in die Baeume gehaengt, so dass nicht mal ein gewieftes Possum rankam. In der Nacht hats dann geregnet und Eddie hatte eh keine Lust aus seinem warmen Wohnzimmer zu kommen. Ich glaube der kleine Teufel hat sich tierisch gefreut, dass er uns naive Menschen so rumscheuchen kann, wenn er immer morgens nach getaner Arbeit gemuetlich im Baum sass und uns zuschaute, wie wir fluchend unseren Muell zusammensammelten.

Nach drei Tagen Sonnenschein pur, als wir schon fast eine ganze Flasche Sonnenmilch auf unsere Haut verteilt hatten und trotzdem dem Sonnenbrand nicht ganz entkommen konnten, hat mich dann auch mein guter alter Freund der Regen wieder ausfindig gemacht. Ich glaube, dem entkomme ich wirklich nirgends. Nicht, wenn ich von Deutschland nach Sydney fluechte und nicht mal, wenn ich von Sydney auf eine kleine unbekannte Insel irgendwo im Norden fluechte, auf der seit Monaten Hitze, Trockenheit und Duerre herrscht. (Wenn mal jemand Angst hat die Blumen im Garten kriegen zu wenig Wasser ab: ein Anruf genuegt und ich stehe zu Diensten.) Als wir am vierten Abend naemlich gerade ein kleines Lagerfeuer angezuendet hatten und uns darauf unsere Spaghetti Bolognese kochen und einen gemutelichen Abend machen wollten, spuerte ich ploetzlich ein allzu vertrautes, nasses Troepfeln von oben auf die Haut. Weil die Spaghetti gerade erst anfingen zu kochen und wir Hunger hatten und es gar nicht einsehen wollten, haben wir uns dick in Muellsaecke eingepackt und tapfer weitergekocht, waehrend der Regen unbarmherzig tropfte und immer staerker wurde. Als die Regen-Spaghetti aufgegessen waren, das Feuer sowieso aufgegeben hatte dem feindlichen Nass von oben zu trotzen und wir auch langsam unsere Hoffnung auf einen trockenen, langen Abend begruben, sind wir dann schliesslich resigniert in unser kleines australisches Sommerzelt gekrochen und haben nur noch gehofft dass uns die duennen Stoffbahnen ueber unserem Kopf den Gefallen tun, den Naturgewalten stand zu halten, die unaufhoerlich daran geruettelt und gezogen und darauf geschlagen haben. Wunderbarerweise sind wir morgens tatsaechlich nach einer nervaufreibenden Nacht trocken aus den Schlafsaecken gekrochen, haben voller Optimismus und Hoffnung auf einen Sonnentag die Koepfe aus dem Zelt gestreckt, den Blick nach oben gewandt und - direkt in einen dicken, einladend wolkenverhangenen Himmel gestarrt. Nach einem Fruehstueck im Regen, als wir schon verzweifelt beschlossen hatten, mangels eines Kinos, Cafes oder anderer Regentag-Gestaltungs-Moeglichkeiten auf der Insel, eben unseren vorletzten Tag lesend und Musik hoerend in den Schlafsaecken zu verbringen, kam dann aber ploetzlich unsere Rettung in Form von Hans und Dianne auf ihrem Katamaran herangeschippert. (Danik: Bei einem Morgenspaziergang hab ich das Boot gesehen und bin nur mit Unterhose bekleidet ruebergeschwommen) Die beiden brachten die gute Nachricht mit, dass das Unwetter fuer die naechsten Tage und Naechte immer schlimmer werden wuerde und mussten sich danach gar keine grosse Muehe mehr geben uns zu ueberzeugen, unseren 5-Tage-Urlaub kurzerhand in einen vier-Tage-Urlaub umzuwandeln und mit ihnen zurueck zu kommen. Auf dem Heimweg haben wir noch einen Abstecher auf Great Keppel Island gemacht, haben uns Middle Island's grossen Bruder im Regen angeschaut und uns gefreut, dass wir unseren Traumstrand den ueberteuerten All-Inclusive-Campinganlagen auf Great Keppel vorgezogen haben, wo mehr schlecht gekleidete, betrunkene deutsche Urlauber als Palmen zu finden sind.

Nachdem wir endlich trocken und gluecklich wieder festen Boden unter den Fuessen hatten tat sich aber das naechste Problem auf: wo schlafen, bei ueberbuchten Backpacker-Hostels, wo dei nacht doch noch auf Middle Island vorgesehen war? Hans und Dianne konnten unsere Sorgen aber gar nicht verstehen: Sie hatten sowieso schon beschlossen, dass wir die Nacht auf ihrem Katamaran-Zuhause verbringen wuerden, haben uns abends Makkaroni in der kleinen Bootskueche gekocht und uns eine schnuckelige Kabine hergerichtet, wo wir unser Nachtlager aufschlagen konnten. Das ist echt Wahnsinn, wie schoen die beiden ihr Zuhause trotz der beengten Verhaeltnisse hergerichtet haben und die Dusche im kleinen Boots-Bad war himmlisch, nach vier Tagen nichts als Sand und Salzwasser auf der Haut!

Jetzt sind wir wieder in Rockhampton im Hostel, geniessen dei weichen Betten, die warmen Duschen und die elektrische Kueche und koennen zum ersten (Danik: zweiten) mal seit vier Tagen wieder beide gleichzeitig bequem schlafen, nachdem wir uns die letzten Naechte immer um unsere einzige Isomatte pruegeln mussten.

Morgen steht noch ein Nationaol Park hier in der Naehe auf dem Plan und dann gehts zurueck nach Sydney (wo es jetzt, wo ich weg bin, uebrigens 25 Grad und Sonnenschein hat :o))

Ich wuensch euch ne schoene Zeit, alles Liebe und falls mal jemand ganz genau wissen will wo ich mich aufhalte: ein Blick auf die Wetterkarte genuegt. Immer da, wo der Regen ist.

Liebe, regennasse Gruesse in alle Ecken der Welt!

Die Lizzy

Comments:
Fotos kommen nach!
versprochen!
 
Hallo erstmal deine Schwester mit samt eltern sind heute zu Besuch bei der Höferfamilie. Alles klar bei Dir? Was macht das Essen in Sydney. Hau rein und lass es krachen meine e-mail adresse ist anne_h89@yahoo.de Ciao anne und rest der Familie lässt grüßen
 
Ja ja, wieder zu faul zum selber schreiben, deine Freundin war ja echt fleißig, da braucht man ja richtig Zeit zum lesen. Interessant was man da so alles erlebt. Wünsche euch noch ne schönes Zeit. Einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Liebe Grüße
Andi
 
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